Letzte Woche hatte ich ein Problem. Das hat sich später zum Glück in Nichtigkeit aufgelöst, aber als ich da so mitten drinnen steckte, musste ich so einiges erleben.
Ich stand vor verschlossenen Türen und vor einer jungen Sprechstudenhilfe mit emotionsleerem Gesicht, die mich informierte, dass neue Kunden hier nicht aufgenommen werden – Notfall hin, Notfall her – die Anweisung von oben stand über der persönlichen Not. Mir rieselte ein eisiger Schauer meinen Rücken herunter. Mit schleifenden Flügeln lief ich im grauen Nieselregen zur letzten Adresse, die mir in den Sinn kam, in der bedrückenden Erwartung, auch hier abgewiesen zu werden. Eine freundlich dreinschauende Sprechstundenhilfe von so etwa 60 Jahren erwartete mich im kleinen Empfangsraum mit hohem Arzttresen. Sah ich so kläglich aus oder konnte ich mein Inneres so gut nach außen kehren? Mit offenen Ohren und irgendwie auch Herzem hörte sie mein Problem und verzog allmählich das Gesicht. Sie wären heute bereits schon übervoll. Gaaaanz schwierig.. Ich – fix und fertig stand da und seufzte der Frau ins Gesicht, hinter mir standen bereits drei Frauen. Dann ein Blick auf die große Uhr im 70er Jahre Look. Die ganze Einrichtung schien mir aus dieser Zeit, abgesehen von der Computeranlage der bestimmt ersten Generation. Ich könne warten – aber sie wüsste nicht, wann die Frau Doktor Zeit für mich hätte. Vielleicht in 2 Stunden – in ihrer Mittagszeit. Ich brauchte gar nicht auf die Uhr zu schauen. Da hatte ich einen Massagetermin. Gebe ab und setz dich ins Wartezimmer, dachte ich mir. Alles andere wird sich ergeben. Auf einmal klingelte das Telefon hinterm Tresen. „Ja, ja, ja. Ist gut. Dann machen wir das so..” Die nette Frau grinste mich an: ”Sie haben Glück. Gerade hat eine Patientin abgesagt. Vielleicht müssen sie nicht so lange warten.”
Dann maß sie mir den Blutdruck und streichelte dabei meinen Arm, was mir in diesem Augenblick so wunderbar gut tat. Mit einem Lächeln schaute ich auf die Kreuz- und Querstapel und Gerätschaften auf engstem Raum. An der Wand klebten ganz viele Babyfotos. Dann zeigte sie mir den schmalen Wartesaal, Garderobe, Toilette, die Tür der Ärztin und den Getränkeautomaten. Nein – ich bin nicht privat versichtert – nein ich bin eine Otto Normalpatientin und hatte verdammtes Glück, hier auf Menschen zu treffen, die so viel Herz haben, dass sie noch davon abgeben können. Mir scheint, es werden immer weniger. Oder anders betrachtet – es steigt die Anzahl der Fassadenmenschen, bei denen alles abprallt, was sich ihnen nähert.
Die Ärztin (auch so kurz vor der Rente) war der Hammer. Mit einem warmen Lächeln und lebendigen Augen nahm sie sich meines Problems mit Ruhe an und es löste sich glücklicherweise in Wohlgefallen auf.
Was für ein wohliger Ort zum richtigen Zeitpunkt. Auf dem Weg in mein Studio rissen die Wolken auf und die Sonne kitzelte mein glückliches Gesicht.

Ja, ich hab auch so einen wohligen Ort geschaffen, wo ich Menschen berühre und mich ihrer für einen Augenblick annehme kann. Ich hab auch diese Power. Da draußen außerhalb meines Reiches, rolle ich oft meine innere Jalousie runter und senke meinen Blick, um das Schmutzige und Schnodderige nicht zu sehen. Tunnel find ich wichtig. Doch gut ist, wenn sie nicht zu lang sind.
Ich freue mich immer wieder, Menschen mit Herz und Tiefe zu begegnen, die auch so einen Raum geschaffen haben, wo Menschen andocken können, um Energie aufzutanken.

Womit habe ich mich in diesem Monat beschäftigt?

Es weihnachtet bereits etwas und ich habe schon leckere Plätzchen gebacken. Die Kamera war dabei und hielt den kulinarischen Moment fest. Klick hier zu meiner Diashow.